Königspaar 1991-1992

Reiner u. Giesela Schlüter

Der Schützenfestmontag 1991

Nach der hl. Messe marschierten die Schützen in die Halle. Niemand zu diesem Zeitpunkt wußte, daß bereits ein „heißer“ Königsanwärter unter den Schützen war. Denn am Samstagabend hatte Rainer Schlüter seiner Frau ganz nebenbei erläutert, daß er am Montag den Vogel abschießen wolle. Da es Giselas Vater, Alfons Winterberg, der lange Jahre Schießmeister des Vereins war, gesundheitlich noch einigermaßen gut ging, und er immer Sympathien für das Schützenwesen gehegt hatte, stimmte Gisela erfreut zu und meinte, daß der Zeitpunkt äußerst gut sei. Die beiden vereinbarten jedoch absolutes Stillschweigen über ihren Plan.

Als gegen 11.00 Uhr dann das Vogelschießen begann, war also nicht nur Rainer sehr aufgeregt. Das sich dann Lorenz Frese, ein Vetter von Gisela, als Mitkonkurrent um die Königswürde entpuppte, sah Rainer gar nicht gern. Zum Schluß ließ er keinen mehr unter die Vogelstange, so daß mit dem 199. Schuß um 12.45 Uhr der neue Schützenkönig feststand. Es war Rainer Schlüter, dem also doch der goldene Königsschuß gelungen war.

Gisela wurde es in der Halle heiß und kalt, so daß sie erst mal drei Schnäpse hintereinander getrunken hat.

Bei der anschließenden Königsproklamation übergab Hauptmann Willi Eickhoff dem neuen Regenten die Königskette. Der Hauptmann lehnte es jedoch strikt ab, daß während der Königsproklamation Gisela an der Seite ihres Mannes stehen durfte. Erst nachdem Rainer „gekrönt“ war, durfte seine Frau zu ihm. „Dies“, so Gisela, „hat sich glücklicherweise geändert“.

11.30 Uhr
Der Aar in luftiger Höhe
12.45 Uhr"..
Nun komm schon !..“
13.45 Uhr
„Seht, ich habe es geschafft !..“
Als damalige „Bürgermeisterin“ des Sürendahls hielt sie eine kleine Ansprache und betonte, daß sie sich sehr darüber freue, daß die Königswürde zum zweiten Male ins Sürendahl komme und noch mehr darüber, daß sie es selber seien.

Als in der Halle alles geklärt war, ging es ab, nach Hause. Giselas Vater lag schon im Bett zum Mittagsschlaf. Als sie ihm erzählte, daß Rainer den Vogel abgeschossen habe, zog er sofort die Bettdecke beiseite und war überhaupt nicht mehr müde.

Mit ihrer Nachbarin Brigitte Asmuth fuhr Gisela nach Winterberg, um sich ein Kleid auszusuchen. Da noch einige Änderungen vorzunehmen waren, konnte sie dieses nicht sofort mitnehmen und bat darum, ihr das Kleid anzuliefern.

Als sich gegen 16.45 Uhr die ersten Schützen wieder in der Halle sammelten um am Festzug teilzunehmen, war das Kleid jedoch noch nicht am „Königshofe“ eingetroffen. So wurde der Vorstand telefonisch gebeten, den Festzug um eine halbe Stunde zu verschieben.

Um 17.30 Uhr startete der Festzug an der Schützenhalle, um das neue Königspaar abzuholen. Dafür, daß es beim Abholen des Königspaares „farbenfroh“ zuging, sorgten einige Frauen, die der Königin zu Ehren, karnevalistisch verkleidet, vor der Haustür Spalier standen. Wohl auch deshalb, weil Gisela in diesen Jahren als Karnevalsgeck im Dorf bekannt war.

Beim Festzug jubelten dem neuen Königspaar bei bestem Wetter viele Schaulustige zu. Auch die Verwandten aus Bielefeld, Paderborn und Nehden, hatten die teilweise lange Anreise nicht gescheut, um bei diesem „Spektakel“ dabei zu sein.

Nach dem Festzug folgten der Königs- und Kindertanz, bevor die Musikkapelle aus Sichtigvor bis in die frühen Morgenstunden zum Schützenball aufspielte.


Das Stadtschützenfest 1991

Im September feierte der Stadtschützenverband in Referinghausen das Stadtschützenfest. Rainer hätte dort als gebürtiger Referinghäuser nur zu gerne den Vogel abgeschossen. Leider stand ihm das Glück diesmal nicht zur Seite. Dies tat der Freude jedoch keinen Abbruch, so daß der Festzug des Stadtschützenfestes am Sonntag für das Königspaar als einer der Höhepunkte ihrer Regentschaft in Erinnerung bleiben wird.

Für 20.00 Uhr war die Heimreise geplant und die „Taxis“ standen schon parat. Aber irgendwie waren Rainer und Gisela mit ihrem Gefolge an den Königstisch des Stadtschützenkönigspaares aus Küstelberg geraten.

Als die Stimmung übergeschwappt war, wurden die Fahrzeuge wieder weggeschickt, und so kam das Königspaar erst weit nach Mitternacht zu Hause an.


Der Schützenfestsonntag 1992

Um 5.00 Uhr brachten die Musiker des Dorfes dem Königspaar das standesgemäße Ständchen dar. Gegen 10.00 Uhr wurde von allen Nachbarn bei einem gekühlten Gläschen Sekt der Kranz aufgehängt. Die Zeit verging wie im Flug.

Um 14.00 Uhr ließ der Adjutant die Schützen vor der Halle antreten. Nach dem Abholen des Hauptmanns und der Schützenfahnen traf der Festzug um 14.30 Uhr beim Königspaar ein. Und schon spielte der Musikverein den

Präsentiermarsch. Nun hieß es, ab nach draußen. Da Giselas Kleid unten so breit war, hatte sie ihre liebe Mühe, damit durch die Haustür zu kommen.

Beim Festzug jubelten viele Schaulustige aus nah und fern dem Königspaar zu.

In der Halle angekommen, hatten nicht nur die Schützenbrüder mächtig viel Durst, da sich das Wetter von seiner allerbesten Seite gezeigt hatte.

Die Musikkapelle aus Sichtigvor sorgte für viel Stimmung am Königstisch und beim Schützenvolk.

Gegen 3.00 Uhr ging das Königspaar erschöpft, aber glücklich nach Hause.

„Es sollten sich immer wieder viele finden, die bereit sind, unter die Vogelstange zu gehen, um die Königswürde zu erringen, denn „ihre“ Schützenfesttage 1991 und 1992 gehören mit zu den schönsten Tagen ihres Lebens“, sind sich Rainer und Gisela einig.

„Es war für uns beide ein Jahr voller Freude mit einem immerbleibenden Erinnerungswert“, fügte Rainer hinzu.