Königspaar 1990-1991

Johannes Kemper & Maria Tüllmann

Der Schützenfestmontag 1990

Gegen 10.45 Uhr ließ Hauptmann Willi Eickhoff die Schützenbrüder in der Halle zum Vogelschießen antreten.

Als die Ehrenschüße absolviert waren, zeigte Johannes Kemper recht schnell ernsthaftes Interesse, nachdem es ihm im Jahr zuvor nicht gelungen war, die Königswürde zu erringen.

Doch diesmal lief für „Meggerlüden Hennes“ alles nach Plan. Am Vortag hatte man ihn noch als Königsbegleiter von Walter Eickhoff, der als Kassierer des hiesigen Musikvereins fast alle Mitglieder des Musikvereins mit in den Hofstaat genommen hatte, gesehen. Doch an diesem Montag sollte nun er selbst im Mittelpunkt stehen.

Beim Vogelschießen standen auffallend viele junge Bewerber unter der Stange.

Neben Johannes waren dies Thomas Giusti, Thomas Tüllmann und Karl Briehl. Hartnäckigster Mitkonkurrent um die Königswürde war wohl Karl Briehl aus Welleringhausen, der schließlich auch Vizekönig wurde.

So war es von Anfang an ein spannendes Feuergefecht, denn schließlich wollte keiner der Anwärter dem anderen die Königswürde schenken. Bereits nach 40-minütem, pausenlosem Schießen, stand mit „Hennes“ um ca. 11.45 Uhr der neue Schützenkönig des Bürgerschützenvereins fest.

Besonders stolz gratulierte Königsvater Gottfried Kemper. Der Jubel bei den Jugendlichen aus Düdinghausen war erwartungsgemäß groß; war doch nach einigen Jahren wieder ein „ganz Junger“ König (24 Jahre) geworden!

Außerdem war allen bekannt, daß Johannes schon in den Vorjahren die Absicht hatte König zu werden, und diesmal hatte er es geschafft.

Der neue Schützenkönig wird in die Halle getragen
Der König stand nun fest, doch was war mit der Königin? Da Johannes noch nicht in festen Händen war, mußte er sich jemanden suchen. Dies erwies sich jedoch nicht als so einfach. Als schon Anrufe ins benachbarte Willingen geführt wurden, bekam er von Thomas Tüllmann den heißen Tip: „Frag doch unsere Ria, die macht das sofort !!!“

Doch Maria war anderweitig befreundet und mußte zunächst noch einiges abklären.

Doch dann wurde sie mit ihren 17 Jahren die zweitjüngste Königin in der Vereinsgeschichte des Bürgerschützenvereins Düdinghausen. Jünger war nur Marlies Aßmuth (heute Althaus), die mit 16 Jahren an der Seite von Hugo Butterwegge im Jahre 1967/68 Königin war.

Auch Wochen nach dem Schützenfest hat man in Düdinghausen noch Stimmen hören können, die von einem „Kinderschützenfest“ berichteten!

Am späten Nachmittag setzte sich dann bei herrlichem Sommerwetter des Festzug in Bewegung. Adjutant Manfred Gerbracht mußte beim Antreten vor der Halle feststellen, daß ungewöhnlich wenige Schützenbrüder angetreten waren.

Dies klärte sich schon bald auf, denn neben der Festkapelle aus Sichtigvor spielte noch eine andere Kapelle lautstark mit. Es war der hiesige Musikverein, der es sich nicht nehmen ließ, die Kollegen zu unterstützen. Denn schließlich waren Johannes und Maria, beide aktive Mitglieder im Musikverein.

Es erwies sich jedoch als ratsam, nicht allzu genau auf die Töne zu achten, denn nach zwei Tagen Schützenfest geht auch einem Musiker mal die Puste aus.

Der Hofstatt des Königspaares hatte sich aus den Geschwistern der Majestäten und dem Stammtisch „die 8 heiligen drei Könige“ gebildet.

Beim anschließenden Königstanz verlor die Königin dann noch einen Reif nach dem anderen aus ihrem Reifrock, so daß sie gegen Ende des Tanzes ganz ohne Reifrock dastand.

Dies jedoch tat dem ganzen keinen Abbruch, zumal man es in Düdinghausen gewohnt ist, bis in die frühen Morgenstunden recht tüchtig zu feiern.


Eine außergewöhnliche Nachfeier

In Düdinghausen ist es auch üblich, am Tag nach dem Schützenfest nachzufeiern. So sieht man am „Schützenfestdienstag“ hier und dort Freunde und Stammtische zusammen hocken, um das Schützenfest langsam bei Bier und gegrilltem ausklingen zu lassen.

Ganz besonders hoch ging es bei „Meggerlüden“ auf dem Hof her. Dort war alles vertreten, vom Musikverein bis zum Hofstaat, die Nachbarn und Verwandten, sowie die Freunde und Bekannten.

Weil nun die Kapelle einmal da war, entschloß man sich, erneut einen Festzug zu machen. Als Kutsche fungierte die umfunktionierte Milchkarre, auf der das Königspaar irgendwie versuchte, Halt zu bekommen. Wie sie an die blauen Flecken an ihren Oberschenkeln gekommen sind, wissen Maria und Johannes jedenfalls ganz genau.

Im Verlauf des Jahres mußte das Königspaar mit Vorstand, Hofstaat und Musikkapelle zum Kreisschützenfest nach Hesborn.

Eine Woche vor dem eigenen Schützenfest ging es dann zum Jubiläumsschützenfest nach Referinghausen.

Dem Königspaar fiel dabei sofort auf, daß sich im Laufe des Jahres neue Pärchen gebildet hatten. Da der Altersdurchschnitt des Hofstaat doch sehr jung war, wurde schließlich häufig mal der Freund oder die Freundin gewechselt.


Der Schützenfestsonntag 1991

Am Sonntagmorgen beim Weckruf wurden nun erstmals auch die „Tüllmänner“ durch den Musikverein geweckt, denn schließlich war dort die Königin zuhause. Diese ließ es sich nicht nehmen, anschließend am Wecken teilzunehmen, während sich der König noch ausruhte.

Beim Festzug am Sonntag drohte es zu regnen, weshalb der gesamte Hofstaat mit den neu angeschafften Regenschirmen ausgestattet wurde.

Da das Wetter unbeständig war, hatte sich der Vorstand entschlossen das Königspaar wiederum gemeinsam in „Meggerlüden“ abzuholen.

Nach dem Königs- und Kindertanz stellte sich das Königspaar und der Hofstaat zu einem Erinnerungsfoto hinter der Halle auf
Die Schützenhalle war am Abend wieder gut besucht. Ein stimmungsvolles und harmonisches Fest endete in den frühen Morgenstunden.

Das Happy-End

Nachdem „ihr“ Schützenfestjahr geendet hatte, und sie sich beim Schützenfestfeiern näher kennengelernt hatten, stellten Maria und Hennes fest, daß sie sich nicht unsympatisch waren.

Doch erst vier Jahre nach dem Schützenfest hat es dann zwischen den beiden gefunkt, sie empfanden plötzlich mehr füreinander. Nach weiteren vier Jahren wurde dann am 16. April 1999 in der Schützenhalle Hochzeit gefeiert.

Dabei überraschte der Vorstand das Brautpaar mit seinem Besuch und Hauptmann Manfred Gerbracht gratulierte mit den Worten: „Das wir Euch gratulieren mußten ist doch klar, denn schließlich hat das Ganze mit Euch durch uns angefangen ... „

Aus der Westfalenpost vom 21. Juli 1990
Ob der Reporter der Westfalenpost, der „vom 24-jährigen Landwirt und seiner Braut Maria Tillmann“ berichtete, schon im Jahre 1990 dieses Happy End vorausgeahnt hat, bezweifeln nicht nur „Ria und Hennes“!