Königspaar 1989-1990

Walter u. Walburga Eickhoff

Der Schützenfestmontag 1989

Der zweite Tag des Hochfestes begann traditionell mit der Hl. Messe um 08.30 Uhr. Für die meisten Schützenbrüder ein ganz gewöhnlicher, zweiter Schützenfesttag. Für einen Schützenbruder war es jedoch nicht so einer. Er war schon mit einer inneren Unruhe aufgewacht. Wie er diesen zweiten Schützenfestmontag zunächst erlebte, beschreibt Walter Eickhoff wie folgt:

„Nach einem anstrengenden, ersten Schützenfesttag wache ich auf, quäle mich aus dem Bett und habe mir vorgenommen, zur Schützenmesse zu gehen. Mein Kopf dröhnt, jetzt schnell duschen, es fängt gleich an zu läuten.

Uniform, wo ist die weiße Hose? Schnell, schnell, Frühstück! Nein, gibt es ja in der Schützenhalle.

Kurzer Wortwechsel mit meiner lieben Frau: "Nein, ich schieße bestimmt nicht!"

Komme gerade noch rechtzeitig zum Abmarsch zur Kirche.

Würdevolle Messe, ergreifende Musik.

Nach der Messe Abmarsch zur Schützenhalle. Ich schaue mir den Vogel an. Die bunten Bänder flattern im sachten Sommerwind. Einfach herrliches Sommerwetter! Ideale Bedingungen um auf den Vogel zu schießen ?

In der Halle schmecken die ersten Biere wie so oft am Schützenfestmontag scheusslich. Die Stimmung ist trotzdem gut. Die Biere, sie schmecken langsam besser. Zum Frühstück gibt’s Kaffee und Brötchen, tut richtig gut.

Bei der gemütlichen Runde mit anderen Schützenbrüdern wird viel gesponnen und geflachst.

Mir fällt ein, daß ich zu Haus etwas vergessen habe, was ich einem Schützenbruder (Musikkollegen) mitbringen wollte. Deshalb gehe ich nach Hause und hole irgendein Schriftstück. Ich antworte auf eine penetrante Frage von Walburga noch: "Nein, ich schieße nicht". Aber ich fühle mich irgendwie unruhig und aufgekratzt. Was ist nur mit mir los?“

Nachdem er wieder in die Halle zurückgekehrt war, hatten sich mittlerweile eine Menge Schützenbrüder eingefunden. Alsbald kam das Kommando: Abmarsch zum Vogelschießen. Unter den Klängen von "Waidmannsheil" ging es zur Vogelstange.

Sofort herrschte Gedränge am Bierwagen. Bier als Meterware. Als die ersten Schüsse knallten, stand Walter mit einigen Schützenbrüdern zusammen und beobachte, wie die Offiziere und die anderen Schützen, jene die üblicherweise zunächst schießen, dem Vogel zusetzten. "Sollen die doch die Drecksarbeit machen," flachste Walter in die Runde.

Irgendwann kam jemand aus dieser Gruppe auf die Idee, mal näher zur Vogel-stange vorzurücken. So wurden die vier Schützen förmlich zum Schießstand hin- gedrängt. Aufmunterndes und anerkennendes Schulterklopfen begleitete die Gruppe, die aus Höveken Hennes, Eickhoffes Bernd, Meggerlüden Johannes und Walter bestand. Auch Thomas Giusti gesellte sich zu ihnen. So beschloß die nunmehr fünfköpfige Gruppe, im Wechsel jeweils drei Schuß auf den Aar abzugeben.

Es ging einige Male rund, bis Walter merkte, daß einige, je länger das Schießen andauerte, nicht mehr so genau zielten oder gar nicht mehr mitschossen. Ihn jedoch packte irgendwie der Ehrgeiz, und er dachte sich: „Jetzt, wo du so gut triffst, kannst du nicht mehr kneifen". Nur Thomas Giusti funkte ihm noch mal dazwischen. Dessen Treffer waren allesamt gut. Dann war Walter wieder an der Reihe. Der erste Schuß ging voll ins Ziel. Heinz Sabrowski staunte: "Wenn er jetzt noch richtig einen verpaßt kriegt, kommt er runter". Walter zielte erneut und drückte ab. Mit diesem Schuß fiel der Rest des Vogels herunter. Was er dann noch zur Kenntnis nahm, war Jubelgeschrei. Er konnte es nicht fassen und dachte sich: "Was hast du nur gemacht, bist du bescheuert?"

So nahm er die vielen Gratulationen kaum wahr. Mit Musik und in Begleitung fröhlicher Schützenbrüder ging es in die Schützenhalle.

Als während der Königsproklamation seine liebe Frau hinzukam, schaute sie ihn strafend, aber auch irgendwie glücklich an.

Danach herrschte Jubel, Trubel und Heiterkeit. Die neuen Majestäten hielten unterdessen mit dem Schützenvorstand Konferenz auf der Königsbühne. Walter traf eine „weise“ Entscheidung: „Der Hofstaat wird aus allen Aktiven des Musik-vereins gebildet, und natürlich einigen nahen Verwandten.“

Danach verabschiedete sich Walburga, um ein Kleid zu kaufen und sonstige Dinge zu organisieren.

Walter jedoch blieb ziemlich lange und feierte mit dem Schützenvolk noch kräftig. Dabei meinte er am frühen Nachmittag doch festzustellen, daß das viele Bier bei ihm „wahrhaftig ein wenig Wirkung“ zeige.

Auf dem Nachhauseweg dachte er sich, hoffentlich ist der Kranz schon da. Und dann sah er, der hing schon. Sein Vater und Dessels Karl hatten ihn bereits aufgehängt und dabei einfach einige rostige Nägel in die Wand gekloppt. Das hatte ihn schon etwas geärgert, aber er war ja selbst schuld.

Gegen 16.30 Uhr trafen die ersten Hofstaatpaare beim neuen Regentenpaar ein. Walter stellte fest, eine Hofdame war schöner als die andere. Nur an die Königin kam natürlich keine heran.

Aus der Ferne hörte man schon deftige Blasmusik. Der Festzug war, wie immer, etwas zu spät im Anmarsch, um das neue Königspaar abzuholen. Schnell noch einen Schluck kühles Bier, dachten sich die meisten Männer des Hofstaates, bevor sich die einzelnen Paare formierten. Eine gewisse Aufgeregtheit war bei Walburga und Walter nicht zu verheimlichen.

Nach der Meldung an das Königspaar, erschallte auch schon der Präsentiermarsch. Im Gleichschritt ging es an den Schützen vorbei. „Endlich sind wir vor-bei“, dachte sich Walter, und reihte sich mit seinem Gefolge in den Festzug ein.

Auf dem Wege zur Schützenhalle jubelte dem neuen Königspaar eine beachtliche Zahl von Zuschauern zu, die einen ziemlich stolzen Schützenkönig sahen. Die Stimmung während des Festzuges war so gut wie das Wetter, daß sich von seiner allerbesten Seite zeigte.

In der Schützenhalle angekommen, ließ Hauptmann Willi Eickhoff das neue Königspaar und den Hofstaat „Hochleben“ !

Der ganze Musikverein im Hofstaat. Da war doch klar, daß auch sie selbst ihre Instrumente dabei hatten. So standen sie auf Tischen und Stühlen und spielten: "Rosamunde“, „Jesses ham mir Durscht" usw. und brachten dabei die Stimmung schnell auf den Höhepunkt.

Der König spielt sich selbst ein Ständchen: „Jesses, ham mir Durscht...“
„Jetzt ist aber Schluß“, befahl der König nach ein paar Musikeinlagen, „denn schließlich haben wir auch noch unsere gute Festmusik aus Sichtigvor, der wir nicht die Schau stehlen wollen“, und ehrlich gesagt, war es jetzt auch für die meisten viel zu anstrengend.

Darüber, daß einige ihrer Arbeitskolleginnen und -kollegen gekommen waren und ihnen gratulierten, freute sich das Königspaar ganz besonders. So hielten die beiden lange mit beim Feiern und Tanzen, denn so etwas erlebt man auch nicht alle Tage.

Der Schützenfestmontag klang mit viel Musik und Tanz in den frühen Morgen-stunden langsam aus.

Der „Schützenfestdienstag“ 1989

Am nächsten Morgen stellte der König fest, daß ihm der Kopf gar nicht so sehr brummte und führte dies auf das gute Training über die Schützenfesttage hinweg zurück. Beim Frühstück überlegten Walburga und Walter, was heute alles zu organisieren sei, denn schließlich sollte der dritte Festtag im Kreise der Untergebenen genau so schön werden wie die vorherigen. So hieß es: Grill aufbauen, Kohle und Grillsachen besorgen, Kühltruhe auffüllen, Festzeltgarnituren draußen aufstellen, usw.

Im Laufe des Nachmittags trudeln die Gäste so langsam ein. Irgendwie sahen alle schlaff und müde aus. Schon wieder feiern und trinken, ob das heute noch was Gescheites gibt, dachte sich das Königspaar.

Doch die Fete kam mit Hilfe von einigen Beschleunigern langsam in Fahrt. Es wurde wieder gesponnen und geflachst. Und als dann irgendjemand die Ponys von Wilmes Fritz auf dem „Bauplatz“ gesehen hatte, meinte man, „man könne doch noch mal den schönen Festzug wiederholen“. Pferde und Vorreiter haben wir“, hieß es, „die Musik sowieso, Kleider für die Hofdamen liegen zu Genüge in der Rumpelkammer, einen Hauptmann kriegen wir auch noch".

So nahm die Spinnerei ihren Lauf, und irgendwann standen drei Pferde auf dem Hof (nicht die Ponys); die Musik war bereit, der König mit einer Kuhkette behangen und Königin, sowie die Hofdamen im 60iger Jahre-Stil gekleidet. Die drei Vorreiterinnen saßen in ihren Sätteln, und die Fahne samt 6-Meter Stange war geschultert. Nur der Hauptmann mit Schüppe gab ziemlich anfängerhafte Kommandos, war ja auch kein Wunder, handelte es sich doch um einen Waldecker. Los ging’s mit Musik. Die Leute an den Straßen rieben sich die Augen: Was war jetzt los? Ist sowas möglich?

So zog der „Festzug“ durch den Riepen, und Walter dachte bei sich: "Wie können erwachsene Leute so bescheuert sein? Was der Schnaps nicht alles anrichten kann".

Der „Festzug“ am Schützenfestdienstag kam nicht nur beim Königspaar gut an
Zurück, am Königshaus angekommen, ging es, losgelöst von allem normalen Verhalten, bis in die späte Nacht weiter.

Der Mond stand in voller Größe neben dem Kirchturm, als der König mit einem auf die Stirn geklebten Veltinsetikett, seine letzten Gäste verabschiedete.

Schützenfestsonntag 1990

Es war wiederum ein herrlicher Sommertag. Der Ablauf der Festes begann traditionell mit dem Abholen des Hauptmanns, der Fahnen und des Königspaares und endete mit viel Stimmung in der Nacht zum Montag.

Wie Walter heute immer wieder sagt, war insgesamt der Schützenfestmontag nach seinem Empfinden, der schönere Tag. Alles war so spontan und ungeplant, und alle haben richtig toll mitgefeiert.

„Walburga und ich hatten wunderschöne Schützenfesttage“, so Walter, „wir haben nichts, aber auch absolut gar nichts bereut. Einmal im Leben muß man die Königswürde erringen. Nur damit muß es dann eigentlich auch reichen.“

Diese Ansicht werden sicherlich die meisten Könige mit ihm teilen.