Königspaar 1965-1966

Moritz und Maria Rabe

Der Schützenfestmontag 1965

Am Montag um 8.30 Uhr zelebrierte Pastor Cordes für die verstorbenen und gefallenen Kameraden das Schützenhochamt in der Pfarrkirche. Das Vogelschießen begann um 10.30 Uhr. Der noch amtierende Schützenkönig Manfred Gerbracht eröffnete das Schießen mit seinen drei Ehren-schüssen. Danach bewies Pastor Cordes in gewohnter Manier seine Treffsicherheit. Die weiteren Ehrenschüsse absolvierten Hauptmann August Rehne und die Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes. Nachdem noch einige Offiziere geschossen hatten, begann eine lang anhaltende Schießflaute. Zwar schoß hin und wieder der ein oder andere noch, doch konnte ein ernsthafter Königsbewerber nicht ausgemacht werden.

Bereits Wochen vor dem Schützenfest hatte Moritz Rabe sen. (verstorben 1972) immer wieder seinen gleichnamigen Sohn in der Öffentlichkeit zum Favoriten auf die Königswürde angekündigt. Dies paßte Moritz jun. jedoch überhaupt nicht, da er sich gerade in dieser Zeit im Hausbau befand und die vier Kinder die er hatte, noch recht klein waren. Zudem war sich Moritz recht sicher, für so etwas überhaupt nicht die richtige Person zu sein. Sein Herz schlug für den Fußball, denn er war auf allen Sportplätzen in Kreis Brilon als ein herausragender Stürmer bekannt und bei den Abwehrreihen gefürchtet.

Moritz war am Schützenfestmontag nicht zum Schützenhochamt angetreten, um so erst gar nicht in die mißliche Lage zu kommen, den Ankündigungen des Vaters entsprechen zu müssen. Erst gegen 11.30 Uhr (in der Regel war um diese Zeit das Vogelschießen lange beendet) machten sich Moritz und seine Frau Mia zusammen mit ihren Nachbarn (Greben Franz und Frau) auf, um zum Schützenfest zu gehen. Als sie ins Dorf rein kamen und keine Schüsse hörten, war Moritz froh und meinte, daß bereits ein König gefunden sei.

Vor Schüren kam ihnen dann Johann Winterberg (Fixes) entgegen, der sofort zu Moritz sagte: „Nun beeile dich, alles wartet schon auf dich... !

„Ja wat macket wie denn jetzt“, meinte Moritz zu Mia! „Dat moßte selber witten, entgegnete Mia.

Mit einem flauen Gefühl im Magen ging Moritz auf den Schützenplatz. Hauptmann August Rehne empfing ihn sofort: „Nun mack hin, we konnt nit en ganzen Dag warten.“

In diesem Moment, so Moritz, war es ihm dann ziemlich egal, was kommen würde. Er ging zielstrebig zur Vogelstange. Da weiterhin keine Konkurrenz zu sehen war, gab ihm Schießwart Alfons Winterberg sofort die Brennecke. Nach einer Viertelstunde war es dann geschehen. Der Vogel setzte zum Sturzflug an, und Moritz war somit König geworden. Unter den Klängen von „Waidmannsheil“ wurde er von den Schützen in die Halle getragen.

Der neue König nimmt die Gratulation von Pfarrer Rudolf Cordes entgegen und läst sich in die Schützenhalle tragen
Bei gutem Wetter wurde das neue Königspaar am späten Montagnachmittag abgeholt. Gut gelaunt, folgte für die neuen Majestäten der Königs- und Kindertanz. Besonders erfreut war Moritz darüber, daß Fußballfreunde aus Medebach zum Festball am Abend erschienen waren und mit einem großen Blumenstrauß zur Königswürde gratulierten. Zum Festball spielte der Musikverein Hoppecke auf. Bei guter Stimmung wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert, so daß Moritz und Mia an den Tag, der für sie so turbulent begonnen hatte, heute doch gern zurückdenken.

Der Schützenfestsonntag 1966

Wie gewohnt spielte der Musikverein Hoppecke nach dem Hochamt vor der Kirche zum Konzert auf.

An diesem Schützenfestsonntag zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite. Nachdem die Schützen um 14.00 Uhr an der Halle angetreten waren, wurde zunächst Hauptmann August Rehne und dann die Fahne abgeholt, im Anschluß daran das Königspaar Moritz und Maria Rabe. Am Ehrenmal legte der Hauptmann einen Kranz für die Gefallenen und Vermißten beider Weltkriege nieder. Der Festzug bewegte sich dann noch einmal durch das Dorf; viele auswärtige Besucher und Feriengäste säumten die Straßen.

Das Königspaar mit den Königsbegleitern
Moritz Rabe sen. und Josef Deimel (Gräben)
im Hofstaat Lorenz und Theka Lichte (Fresen)
Traditionell marschierte der Festzug unter der Klängen von Preußens Gloria in die Schützenhalle ein. Nachdem der Hauptmann das Königspaar hatte „Hochleben“ lassen, sorgte das Tambourcorps Wünnenberg, wie gewohnt, für mächtig Stimmung bei jung und alt. Nach dem Königs- und Kindertanz spielte der Musikverein Hoppecke zum Tanz auf. In der Schützenhalle wurde dann bei Bier und Tanz noch viele Stunden fröhlich gefeiert.

Für das leibliche Wohl hatte Festwirt Jäger aus Usseln bestens gesorgt.