Königspaar 1964-1965

Manfred Gerbracht und Ingrid Deimel

Der Schützenfestmontag 1964

Am Montagmorgen ging es in alter Frische weiter. Die meisten Schützenbrüder mußten sich, wie üblich, mit wenig Schlaf begnügen. Denn pünktlich um 8.30 Uhr hieß es an der Kirche „Antreten zum Schützenhochamt“! Nach dem Gottesdienst marschierten die Schützen in die Halle, wo sofort ein „guter“ Frühschoppen begann. Nachdem man einige Bierchen zu sich genommen hatte, fühlte man sich schon gleich wieder fit für den neuen Tag und folgte gern dem Befehl des Schützenhauptmanns zum Antreten zum Vogelschießen.

Der noch amtierende Schützenkönig Josef Lichte eröffnete den Wettbewerb um die Königwürde. Nachdem der Vorstand seine Ehrenschüsse absolviert hatte, stellte sich eine lang anhaltende Feuerpause ein. Manfred Gerbracht, der sich zu diesem Zeitpunkt in der Halle befand, dachte sich, warum schießt denn keiner? So ging er nach draußen an den Bierwagen und sagte zu sich: „Schießen gelernt hast du bei der Bundeswehr! Warum solltest du es nicht hier auch einmal probieren?“ So absolvierte er seine ersten drei Schüsse auf den Aar und ging wieder zum Bierwagen zurück. Nach ein paar Bierchen mit einigen Schützenbrüdern begannen dann dort die „kleinen Sticheleien“, wie „Schützenkönig ist man aber erst dann wenn man das letzte Stück vom Vogel abgeschossen hat“, oder „du willst doch nicht kneifen“! Als die erneute Feuerpause schon länger als eine Viertelstunde anhielt und sich auch noch seine Brüder an den Sticheleien beteiligten, wurde Manni mutiger und sagte den Schützenbrüdern, die mit ihm in der Runde standen: „So, jetzt schieße ich den Vogel ab!“ Danach ging er unter die Vogelstange und schoß so lange auf den Vogel ein, bis der die Flügel streckte und zu Boden fiel. Dabei hatte Manfred sich in einen solchen Rausch „geschossen“, daß ihm nach dem Vogelschießen die rechte Schulter schmerzte. Erst am nächsten Tag stellte er die Blutergüsse fest, die die Schmerzen in der Schulter verursachten. Zu seiner Königin erkor Manfred seine langjährige Freundin Ingrid Deimel aus Greben. Gleichzeitig nutzten die beiden die Gelegenheit und verlobten sich an diesem Tag, so daß es für die beiden einen doppelten Grund zum Feiern gab.

Zu seinen Königsbegleitern ernannte Manfred seinen Bruder Toni und seinen Onkel Alfred Rehne. Nach überstandenem Frühschoppen legten die Schützenbrüder eine Ruhepause ein. Der Frühschoppen endet gewöhnlich zwischen 14.00 und 14.30 Uhr. Für viele, insbesondere Majestäten, Hofstaat und Schützenvorstand, ist an einen Mittagsschlaf jedoch nicht zu denken, da zahlreiche Vorbereitungen für den Festzug am Nachmittag getroffen werden müssen.

Um 17.30 Uhr versammelten sich die Schützen in der Halle und traten auf Befehl des Adjutanten nach draußen, auf dem Schützenplatz zum Festzug an. Als Junggeselle wurde Manfred zunächst allein von seinem Elternhaus in Howes abgeholt. Anschließend wurde die Schützenkönigin mit dem Hofstaat in ihrem Elternhaus in Gräben abgeholt. Der Festzug war von herrlichstem Sommerwetter begünstigt.

Das Königspaar im Festzug am Schützenfestmontag
Nach dem Festzug folgten Königs- und Kindertanz. Da es in den 60ziger Jahren üblich war, daß am Königstisch Sekt in größeren Mengen getrunken wurde, ließ das Königspaar die Sektkorken so richtig knallen. Es wurde bei Wein, Sekt und Tanz noch viele Stunden in geselliger Runde gefeiert.

Der Schützenfestsonntag 1965

Bereits Wochen vor dem eigentlichen Hochfest des Dorfes merkte man den Majestäten an, daß ein größeres Ereignis bevorstand. Die Nervosität kam wohl auch deswegen, weil der Sommer bisher keine hochsommerlichen Temperaturen aufkommen ließ. Manfreds Bruder Willi hatte die rettende Idee und steckte bereits zwei Wochen vor dem Schützenfest täglich eine Kerze in der Kirche an. Das hat geholfen, so Manfred Gerbracht, denn der Festzug konnte bei zwar kühlen Temperaturen, jedoch ohne Regen stattfinden. Wie im Jahr zuvor wurde Manfred zunächst allein abgeholt, und anschließend Königin Ingrid mit dem gesamten Hofstaat in Gräben.

Am Ehrenmal legte Hauptmann August Rehne einen Kranz für die Gefallenen und Vermißten der Weltkriege nieder. Dann ertönte das Lied „vom guten Kameraden“. Nach der Gefallenenehrung zog der Schützenzug unter den Klängen von Preußens Gloria in die Schützenhalle. Der Hauptmann ließ das Königspaar „Hochleben“. Danach nutzen die Schützenbrüder die Gelegenheit, sich beim Bier vom langen Marsch zu regenerieren.

Das Jugendblasorchester Düdinghausen bringt dem Königspaar ein Ständchen am Königstisch
Den Ausklang des Schützenfestes am Sonntag feierte das Königspaar in einer gut besuchten Festhalle. Festwirt Hans-Otto Jäger sorgte bestens für Getränke und das leibliche Wohl.