Königspaar 1963-1964

Josef Lichte und Brigitte Wienand

Der Schützenfestmontag 1963

Der diesjährige Schützenfestmontag begann, wie gewohnt, mit der Schützenmesse in der Pfarrkirche. Dort zelebrierte Pfarrer Cordes für die gefallenen und verstorbenen Schützenbrüder ein feierliches Hochamt. Die Beteiligung der Schützen war sehr gut und ließ einen guten zweiten Schützenfesttag vorausahnen. Nach dem Gottesdienst wurde vor der Kirche angetreten. Der Hauptmann machte Meldung an den Herrn Pastor, der sich anschließend in den Schützenzug einreihte. Danach bewegte sich der Zug zur Schützenhalle.

In der Küche wurde das Schützenfrühstück eingenommen und anschließend an der Theke der Frühschoppen eröffnet. Gegen 11.00 Uhr war Abmarsch zur Vogelstange, wo der amtierende Schützenkönig Franz Völlmecke (Schüren) den Wettstreit um die Königswürde eröffnete.

Bereits am Sonntagabend und während der ersten Biere an der Theke hatten einige Schützen viel Spaß bei der Frage nach dem neuen Schützenkönig gehabt. So war auch Josef Lichte (Hanses) von Freunden darauf angesprochen worden. Auf die Feststellung eines Schützen: „Du kannst das auch mal machen“, hatte er geantwortet: „Nah sicher, ich habe doch auch schon kräftig vor dem Spiegel geübt...“. Und Willi Koert hatte ihm dann noch den guten Rat mit auf den Weg gegeben: „Wenn du den Vogel unten hast, mußt du aber beide Arme zum Jubeln in die Luft heben, mit einem Arm das reicht nicht, mit einem Arm erteilt der Papst den Segen!“.

Einige Tage vor dem Fest der Feste wurde Josef bereits mächtig in die Rolle des Favoriten gedrängt. So hatten auch Heinrich Asmuth und seine Frau Maria (Krämes) mehrfach versucht „ihm Mut“ zu zusprechen, da er mit deren Nichte Brigitte Wienand aus Medebach befreundet war. „Es wäre schon schön“, so Onkel Heinrich, „wenn die Königin aus unserem Hause abgeholt werden würde“. Dafür war er sogar bereit, ein Kutsche zu organisieren.

Doch das war für Hanses Jupp zunächst mehr Jux als Ernst gewesen. Als aber dann das Schießen begonnen hatte und alle Ehrenschüsse absolviert worden waren, verspürte er doch eine mächtige innere Unruhe. Nachdem er sich zur Vogelstange vorgewagt hatte, gesellten sich Reinold Wrede (Wreden) und Johannes Kropff (Zimmes) zu ihm, die mit ihren ersten Schüssen sofort erkennen ließen, daß sie schon des öfteren am Königsschießen teilgenommen hatten. So schossen die drei hin und wieder auf den Vogel, ohne jedoch ernsthafte Absichten erkennen zu lassen.

Gegen Mittag drängte dann die Zeit, denn der Programmablauf sollte schließlich eingehalten werden. Josef Rehne, Schriftführer des Schützenvereins, nahm die drei „Unentschlossenen“ kurz zur Seite und meinte, daß es einer von ihnen „nun übernehmen müßte“. So vereinbarten die drei jungen Schützenbrüder in der Reihenfolge ihres Alters dem Vogel so lange zu zusetzen, bis der zum Sturzflug ansetze.

Josef als der Älteste mußte mit den „Endkampf“ beginnen. Es zielte sehr genau und war sich ziemlich sicher zunächst nur die Krone des Vogels treffen zu wollen. Was er nicht mitbekommen hatte war, daß Schießwart Alfons Winterberg, wohl auf Veranlassen des Vorstands, die Brennecke eingespannt hatte. So war es nicht verwunderlich gewesen, daß mit diesem einen Schuß sämtliche Reste des Vogels herunterfielen und der neue Schützenkönig feststand. Die Freunde und der Jubel waren groß und Josef vergaß auch nicht beim Jubeln beide Arme in die Luft zu heben.

„Hoch lebe der neue Schützenkönig!“

Das fröhliche Schützenvolk freut sich mit dem neuen Regenten

Bei der anschließenden Königsproklamation erkor er sich seine Freundin (heutige Ehefrau) Brigitte zur Königin.

Am Nachmittag trat man um 17.00 Uhr auf dem Festplatz der Schützenhalle an. Nach Abholen des Schützenkönigs von seinem Elternhaus Hanses, marschierte man in den Riepen, um die neue Schützenkönigin Brigitte Wienand und den Hofstaat abzuholen.

Onkel Heinrich hatte unterdessen Wort gehalten. Vor dem Haus stand eine prächtig geschmückte Kutsche, die das neue Regentenpaar im Festzug durch die beflaggten Straßen des Dorfes zur Festhalle fuhr.

Das neue Königspaar in geschmückten Kutsche im Festzug

Dort wurde nach Königs- und Kindertanz bei guter Stimmung bis in die Morgenstunden gefeiert.

Der Schützenfestsonntag 1964

Das Schützenfest begann traditionell mit dem musikalischen Wecken des Hauptmanns und des amtierenden Schützenkönigs um 5.00 Uhr in der Frühe durch den Musikverein.

Nach der Hl. Messe fand bei „Kaiserwetter“ das übliche Platzkonzert auf dem Kirchplatz statt. Am Nachmittag wurde vor der Schützenhalle zum großen Festzug angetreten. Unter Beteiligung vieler Schützen und Zuschauer wurde das Königspaar Josef Lichte und Brigitte Wienand abgeholt. Nach der Kranzniederlegung am Ehrenmal marschierte man durch die festlich geschmückten Düdinghäuser Straßen zur Schützenhalle. Zur Verschönerung des Festzuges hatte der Vorstand wiederum den Spielmannszug Wünnenberg eingeladen, der in der Halle noch einige Märsche zur Unterhaltung spielten.

Am Abend war die Schützenhalle gut besucht. Ehe sich ihre Regentschaft dem Ende neigte, feierten die Majestäten mit dem fröhlichen Schützenvolk bei ausgezeichneter Stimmung bis in den frühen Morgen.