Königspaar 1957-1958

Franz Finnemann und Karola Krevet

Der Schützenfestmontag 1957

Am Montag zelebrierte Pastor Paul Würminghausen für die gefallenen und ver- storbenen Schützenbrüder ein feierliches Hochamt in der Pfarrkirche.

Danach ging es zur Vogelstange. Ein außergewöhnliches Ringen um die Königswürde sollte folgen. Damals war es üblich, daß der Vogel frei auf einen Mast aufgesetzt wurde. Sicherheitsvorrichtungen, wie z. B. ein Kugelfang, waren noch nicht erforderlich. Man mußte aufpassen, daß sich keine Menschen im näheren Schießbereich befanden.

Nachdem der Vogel aufgesetzt war und die an seinen Flügeln befestigten Bänder im Winde wehten, eröffnete der amtierende Schützenkönig Josef Winterberg (Fixes) das Feuer auf den von Hugo Butterwegge sen. (Hengemes) erbauten Vogel. Nach den Ehrenschüssen durch den Vorstand reihten sich einige weitere Schützen ein, um dem Vogel zuzusetzen.

Franz Finnemann sagte zu diesem Zeitpunkt neben Pastor Würminghausen stehend: „Ich habe in den letzten Jahren immer auf den Vogel geschossen, und wenn ich mich jetzt nicht beeile, dann ist es vorbei!“ .

Also dachte sich Dorfschullehrer Finnemann: Jetzt ran an die Gewehre!

Sein erster Schuß war ein Blindgänger. Also lud er sofort nach. Der nächste – ein Treffer! „Kerl“, dachte er sich, „der hätte auch vorbei gehen können! Aber treffen wolltest du doch, und einen Schuß kann ich noch, dann höre ich auf ...!“

Rums, mitten vor den „Latz“ bekam der Vogel eins und sinkt, hält sich aber nach 30 cm an einem Band an der Stange fest und dann, 20 cm tiefer noch einmal.

Den letzten Rest besorgte eigentlich der Wind, und der Vogel setzte zeitverzögert zum vollen Sturzflug an.

Keiner war davon mehr überrascht als der neue König selbst. So dachte er in seiner kindlichen Einfalt noch: „Die müssen doch den Vogel wieder aufsetzen, die wissen doch, daß deine Frau hochschwanger ist!“

„Spiel nicht mit dem Schießgewehr, denn ....!“
Der neue König kann es nicht fassen
Die Hallenberger Musikkapelle intonierte den Einzugsmarsch in die Schützenhalle.

Nach der Proklamation fragte der Vorstand: „Wer wird jetzt Königin, wo Deiner Frau dies bestimmt zu anstrengend ist?“ Für Franz war das keine Frage: „Zimmes Karola !“ (Karola Krevet, geb. Kropff), zumal zwischen Zimmes und den Eheleuten Finnemann immer ein freundschaftliches Verhältnis bestand, und sie dort bereits seit Jahren Milch und Eier kauften. Karola Krevet sagte spontan zu. Königsbegleiter wurden schnell gefunden und der Hofstaat, hauptsächlich bestehend aus Sport- und Gesangverein, zusammengestellt.

Die Hiobsbotschaft kam im übrigen schneller zu Frau Finnemann, als Franz gedacht hatte. Schniedes Bömmel war mit Affenzahn auf die Lehrerwohnung zu gerast und hatte ímmer wieder gerufen: „Use Lehrer is König, use Lehrer is König ....!“
So will Antonie Finnemann noch am frühen Schützenfestmontag zu ihrem Mann gesagt haben: „Und das du bloß den Vogel nicht runterholst!“ – Das wird er wohl nicht mitbekommen haben.
Als Franz dann ziemlich bekümmert nach Hause kam, sagte seine Frau nur ganz kurz: „Jetzt mußt du sehen, wie du da durchkommst“!
Franz heute: „Und wir kamen glänzend dadurch, zumal sich das Wetter von einer besseren Seite als noch am Vormittag zeigte!“
Beim großen Festzug am späten Nachmittag präsentierte sich das Königspaar mit seinem Hofstaat. In der Schützenhalle angekommen, wurde alsbald mit dem Königs- und Kindertanz begonnen. Nach einem Ständchen am Königstisch endete ein harmonisches Fest in den frühen Morgenstunden.

Der Schützenfestsonntag 1958

Um 14.00 Uhr wurde vor der Schützenhalle zum großen Festzug angetreten. Am Himmel braute sich unterdessen ein kräftiges Gewitter zusammen.

Nachdem der König abgeholt worden war, bewegte sich der Festzug in Richtung Zimmes, wo die Königin und der gesamte Hofstaat abgeholt wurden.

Finsternis herrschte beim Festzug am Sonntagnachmittag.
Dies tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch.
Königspaar Franz Finnemann und Karola Krevet geb. Kropff, dahinter im Hofstaat Josef Rehne und Antonie Finnemann; Königsbegleiter sind Willi Koert und Hans Gerbracht
So sah man im Festzug Antonie Finnemann als Hofdame an der Seite von Breiden Jupp. Ansonsten hatte sich der Hofstaat nicht verändert.

Unter Blitz und Donner und dennoch mit strahlenden Gesichtern präsentierte sich das Königspaar mit seinem Hofstaat den Schaulustigen. Als der Festzug in die Halle einmarschiert war, und der Hauptmann die Majestäten „Hochleben“ ließ, öffnete der Himmel seine Schleusen. Der Regen der auf das Blechdach der Schützenhalle „niederklatschte“, war fast lauter als die Festmusik.

In der Halle angekommen, lassen die Schützen das Königspaar „Hochleben“
Das heftige Unwetter tat der Festfreude allerdings keinen Abbruch, so daß der erste Schützenfesttag in Jahre 1958, wie gewohnt, ausgelassen gefeiert wurde.